Kandidatenvorstellung – Florian Ristow
1.Kurzvorstellung
Wir stellen nach und nach unsere Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl 2026 vor. Heute im Interview: Florian Ristow.
Florian, stelle dich bitte kurz vor:
Nach dem Abitur 1999 in Norden leistete ich meinen Zivildienst ab, bevor ich anschließend zum BWL-Studium nach Kiel ging. Nach dem Abschluss zog es mich für zwei Jahre nach Irland, sammelte dort internationale Erfahrungen und zog anschließend nach Hamburg, wo ich im Onlinevertrieb eines großen Versandhändlers tätig war. Seit 2011 lebe ich wieder auf Norderney.
Ich bin 46 Jahre alt und arbeite als selbständiger Immobilienmakler und führe gemeinsam mit meiner Familie einen Ferienvermietungsbetrieb, der bereits in der dritten Generation besteht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, hier unternehmerisch Verantwortung zu tragen, schwierige Zeiten zu durchstehen und Risiken einzugehen.
Norderney ist nicht nur mein Arbeitsplatz. Es ist der Ort, an dem ich mit meiner Frau und unseren drei Söhnen lebe, an dem ich als Trainer der C-Jugend des TuS Norderney ehrenamtlich aktiv bin und an dem ich jeden Tag erlebe, was diese Insel ausmacht – und was sie braucht.
In meiner Freizeit spiele ich gerne Tennis und treibe generell gerne Sport.
2.Entweder- / Oderfragen
Kontaktlinsen oder Brille? Brille!
Kompromiss oder klare Kante? Mal so, mal so…immer mit dem Kopf durch die Wand geht nicht.
Fenster oder Gang? Gang – ich habe lange Beine.
Frühaufsteher oder Nachteule? – Frühaufsteher
Strandspaziergang oder Fahrradtour? Fahrradtour
E-Bike oder klassisches Fahrrad? E-Bike – ich bin ständig unterwegs
Grau lassen oder färben? Grau lassen – gehört zum Älterwerden dazu!
Norderney im Sommer oder Norderney im Winter? Sommer!
Juist oder Baltrum? Von beiden Inseln aus ist der Blick nach Norderney schön.
Knappe letzte Fähre oder Übernachtung auf dem Festland? Letzte Fähre!
Bargeld oder Karte? Karte.
Mai oder August? Mai
Stadion oder Sportschau? Am liebsten Stadion, aber häufig wird es nur die Sportschau
Paris oder London? London.
Kartoffeln oder Nudeln? Kartoffeln!
3. Interview „Baupolitik: Erst Bedarfsanalyse dann entscheiden!“
Florian, du kandidierst für die FDP auf Norderney. Warum passt diese Partei politisch besonders gut zu dir?
Weil die FDP Freiheit und Verantwortung zusammendenkt – und nicht gegeneinander ausspielt. Ich glaube daran, dass Menschen, die Verantwortung übernehmen, ein Haus bauen, einen Betrieb führen oder Arbeitsplätze schaffen, vom Staat Respekt statt bürokratischer Eingriffe verdienen. Die FDP steht für Eigentumsschutz, wirtschaftliche Vernunft und Lösungen auf Basis von Daten statt Wunschvorstellungen. Gerade auf einer Insel wie Norderney, die von unternehmerischer Initiative lebt, ist das keine abstrakte Ideologie, sondern gelebte Realität.
Gibt es ein Thema, das dir persönlich besonders am Herzen liegt?
Ja, und es ist nicht abstrakt. Als die Stadtverwaltung im Juni die Bebauungspläne für den Ortsinnenbereich vorgestellt hat, saß ich im Saal und habe zugehört, wie für einige Ortsbereiche eine Generalquote von 51 % für die Schaffung von Dauerwohnraum präsentiert wurde – ohne Datengrundlage, ohne Wirtschaftlichkeitsberechnung, ohne Rücksicht darauf, was das für Familien bedeutet, die hier seit Generationen vermieten.
Diese Familien haben ihre Häuser in Krisenzeiten unter größten Entbehrungen aufgebaut, sie über Jahrzehnte modernisiert, instand gehalten und an die nächste Generation weitergegeben. Es sind keine Konzerne, keine institutionellen Investoren. Es sind Menschen, die ihr gesamtes wirtschaftliches Dasein an dieses eine Haus, diese eine Vermietung gebunden haben.

Was sollte sich aus deiner Sicht konkret ändern?
Die Pauschalquote muss vom Tisch – nicht nur aus rechtlichen, sondern aus handfesten wirtschaftlichen Gründen. Wer einem Eigentümer vorschreibt, mehr als die Hälfte seines Hauses dauerhaft zu vermieten statt an Feriengäste, der verändert die wirtschaftliche Grundlage dieser Immobilie fundamental – und das hat Folgen, die weit über den einzelnen Eigentümer hinausreichen. Die Logik der Quote widerspricht sich selbst: Sie schwächt mit der einen Hand die wirtschaftliche Grundlage, für die sie mit der anderen Hand Wohnraum schaffen will.
Erstens: Die Refinanzierungsmöglichkeiten sinken. Banken kalkulieren Beleihungswerte und Kreditlinien auf Basis der erzielbaren Erträge. Eine Ferienwohnung mit saisonal hoher Auslastung erzielt deutlich höhere Erträge als eine dauervermietete Wohnung mit ortsüblicher Vergleichsmiete. Wird die Nutzung eingeschränkt, sinkt der kalkulierbare Ertrag – und damit auch das, was eine Bank überhaupt zu finanzieren bereit ist.
Zweitens: Die Immobilienbewertungen sinken in der Folge ebenfalls. Ein Haus, das nur noch zur Hälfte für die wirtschaftlich attraktivere Nutzung zur Verfügung steht, ist weniger wert – mit Konsequenzen für Beleihung, Erbfolge und Altersvorsorge.
Drittens: Investitionen werden erschwert und gehemmt. Wer nicht mehr verlässlich kalkulieren kann, was sein Eigentum morgen noch wirtschaftlich leisten darf, investiert nicht. Er schiebt Sanierungen auf, verzichtet auf Modernisierung, lässt Bausubstanz altern.
Wer Investitionen ausbremst, bewegt sich nicht auf der Stelle. Er fällt zurück, während andere Standorte sich weiterentwickeln. Und dann das Argument, das in der bisherigen Debatte komplett fehlt: Wovon sollen die Menschen leben, die künftig in diesem neu geschaffenen Dauerwohnraum wohnen sollen?
Warum ist dieses Thema so wichtig für Norderney?
Weil es um das wirtschaftliche Fundament der Insel geht. Norderney lebt vom Tourismus – nicht ein bisschen, sondern fundamental. Die Kurtaxe, die Gewerbesteuer der Gastronomen und Händler, die Arbeitsplätze in Hotellerie und Dienstleistung hängen direkt daran, dass Feriengäste kommen und Unterkünfte vorfinden. Und genau hier setze ich einen konkreten Vorschlag an: Bevor wir über Prozentzahlen streiten, sollten wir an einem realistischen Beispielobjekt eine echte Wirtschaftlichkeitsanalyse durchführen.
19. Juni 2026
